Sudetenbote

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Siedlungsgebiete der Deutschen in Boehmen, Maehren und Sudeten Schlesien

Willkommen zur Internet-Webseite des Sudetenboten. Sie wurde zusätzlich zur von Willi Wanka 1964 in Kanada gegründeten und heute von Hans Mirtes in Frontenhausen herausgegebenen Druckausgabe des Sudetenboten geschaffen, um Informations- und Gedankenaustausch im Sinne der Interessen, Ziele und Aufgaben der 1945-1947 entrechteten, enteigneten und vertriebenen Sudetendeutschen Volksgruppe zu fördern.

 

Der Sudetenbote unterstützt eine Europäische Union, in der alle Menschen, Volksgruppen und Völker gleichberechtigt in Frieden, Freiheit und Wohlstand miteinander leben können, im Sinne der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Konventionen über Bürger- und Menschenrechte, einschliesslich des Rechts auf Heimat. Aus diesem Grund verurteilt er die Existenz und Anwendung von Rassengesetzen, wie die in Tschechien und in der Slowakei noch immer geltenden Beneš-Dekrete, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen führten. Der Sudetenbote fördert den Versuch einer Wiedergutmachung des an den Sudetendeutschen begangenen Unrechts.


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Friday, September 18, 2009

Geschichtsklitterung

Geschichtsklitterung am Münchener Rathaus

 

Die deutschen Vertriebenen bzw. deren Nachfahren müssen sich damit vertraut machen, dass das Münchner Rathaus fortan ein besonderer Ort für sie ist: der erste Ort öffentlicher Schmähung ihres Schicksals in der Bundesrepublik. Als das muss man ihn bezeichnen; denn das Schicksal der Vertriebenen wird ohne Erwähnung der direkten Verursacher mit Hitlerschen Untaten in Verbindung gebracht.

Der Einleitungssatz des jetzt angebrachten Gedenktafeltextes (nach Herbert Fischer, SuZ, m7.8.09, Titelseite, Neue Gedenktafel): „Der nationalistische Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug führte die Welt in eine Katastrophe“ folgt ohne Überleitung der Satz nach: „Durch das Unrecht der Vertreibung oder durch Flucht verloren in Europa Millionen von Menschen die Heimat“. Diese Sätze sind für sich problematisch genug. Wenn aber im ersten Satz zwar provokativ aber in gewisser Weise zur Wahrheit angesetzt wird, darf im nächsten die der Verursachung der Vertreibung viel näher liegende nicht ausgespart werden. Dieser zweite Satz muss deshalb wahrheitsgemäß lauten: „Nach Kriegsende ließen die Alliierten auf Drängen der Vertreiberstaaten – allen voran Stalin, Churchill und Benesch – völkerrechtswidrig die Vertreibung zu und organisierten sie mit.“ An diesen, den Tatsachen gut zusammenfassenden Satz könnte dann fast nahtlos der jetzige zweite Satz anschließen. Darin müsste man lediglich zwischen „Europa“ und „Millionen“ das Wort „daraufhin“ einfügen.

Dass zwischen dem ersten – wenn er so gewollt ist – und dem zweiten Satz der oben vorgeschlagene fehlt, haben Oberbürgermeister Ude und seine Berater sehr wohl gewusst und deshalb zu verantworten. Dass sie ihn nicht eingefügt haben, macht den Gedenkstein zum – bisher – einzigartigen Schandmal in Deutschland.

Eine andere Frage ist, ob man in Europa der EU solche Sätze, die die Schuld der Alliierten markieren, auf Gedenksteinen formulieren möchte. Unsere Altvorderen haben schließlich Churchill bereits in den fünfziger Jahren in Aachen den Karlspreis verliehen, andere den Nobelpreis. Waren unsere politischen Eliten damals schon weiter – oder noch nicht so weit? In jedem Fall sollte das beim Formulieren der Wahrheiten auf Gedenksteinen zur Vertreibung überlegt werden. Wenn man aber die Wahrheit zur Schuld der Alliierten weglassen möchte, dann lasse man die Vertriebenen bitte nicht mit Hitlers Verbrechen allein. Das ist Geschichtsklitterung und in höchstem Maße schäbig. Es blieb offenbar Oberbürgermeister Ude vorbehalten, solche Bedenken zur Seite zu wischen und zu dieser Untat zu schreiten.

Dieses in der Presse jenseits der Sudetendeutschen Zeitung wenig wahrgenommene Geschehen am Münchener Rathaus gibt doch zu großen Befürchtungen Anlass. Wenn schon das offiziöse München solche Geschichtsklitterungen in Stein meißeln lässt, wie mag es dann erst an bayerischen oder in Schulen im übrigen Deutschland aussehen. Im Geschichtsunterricht und in vielen Wettbewerben zum Thema wurde jahrelang dazu doch immer Aufklärung betrieben. Den maßgeblichen Münchner Magistrat, der längst solche Schulen durchlief, hat das offenbar alles nicht erreicht. Die vor Rechthaberei triefende Ideologie überwuchert längst Vernunft und Augenmaß. Da bleibt nur zu hoffen, dass die bayerischen Lehrer und damit ihre Schüler nach wie vor klüger sind.

 

Gerolf Fritsche, Offenbach

8:34 am pdt          Comments

Tuesday, September 15, 2009

Das neue Aussiger Museum

 

Im Augenblick ist nicht nur die Rede vom Sudetendeutschen Museum, das durch Versprechungen einerseits und Vertröstungen der Zeitzeugen andererseits ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Während man über das Projekt in München immer noch diskutiert, ist man jenseits des Erzgebirges in Aussig an der Elbe weiter. Dort schreiten die Tschechen bereits zur Tat. Zu einer der zukunftsweisenden Maßnahmen gehört jedenfalls die Erneuerung und Erweiterung des Aussiger Museums. Wie wichtig das Projekt ist, erkennt man schon daran, dass sich am 24.4.09 viel Prominenz sogar zu einer Grundsteinlegung zusammengefunden hat, an ihrer Spitze der Primator der Stadt, Ian Kubata, sowie Museumsdirektor Dr. Gustav Krov. 16.7 Mio. € sollen bis zur Neueröffnung 2011 verbaut werden.

Interessant ist in diesem Falle, dass der übergroße Anteil der Bausumme von 13,5 Mio. € von der Europäischen Union in Brüssel beigesteuert wird, d.h. doppelt interessant für uns Bundesbürger, dass wir Steuerzahler in Aussig direkt mit 5,4 Mio beteiligt sind; denn 40% von allem, das von Europa kommt, stammt aus dem deutschen Beitrag. Das mag sich jetzt so anhören, als sollten Neidgefühle geweckt werden. Derer sollte man sich aber enthalten, sondern vielmehr auf das hinweisen, was nach dieser europäischen Verbandelung im Museum der guten Nachbarschaft wegen dargestellt werden sollte.

Man kann davon ausgehen, dass der Museumsdirektor und der Primator sich vor der Grundsteinlegung darüber schon Gedanken gemacht haben. Um der vollständigen Wahrheit willen würde sich vor allem das eignen, was heute in der Stadt Aussig noch zu kurz kommt oder völlig fehlt. Einen informativen Ehrenplatz dürfte demnach der ehemalige Oberbürgermeister Leopold Pölzl einnehmen, ein Kollege, den Primator Jan Kubata aus einfachen Altersgründen nie kennen lernen konnte, von dem aber wohlbekannt ist, dass Leopold Pölzl zu den integersten und mutigsten Personen gehört, die in Aussig im letzten Jahrhundert Verantwortung getragen haben.

Die alten Aussiger wissen, dass er die Verwaltung der Stadt Aussig zweimal als Oberbürgermeister leitete, u.a. als bis 1936 die Beneschbrücke über den Elbestrom geschlagen wurde. Damals, als Pölzl natürlich noch an das Gute in Benesch glauben Konnte, wurde auch die Brücke nach dem Präsidenten benannt. 1938 hielt Leopold Pölzl unverbrüchlich an seiner Treue zum Tschechoslowakischen Staat fest. Er hatte sogar den Mut, in den späten Septembertagen 1938 als prominentes DSAP-Mitglied nicht ins Innere der CSR zu flüchten. Er blieb in Aussig, wie wir alle heute wissen, schließlich mit für ihn verhängnisvollsten Folgen.

Schon heute könnte man in einer der Wahrheit verpflichteten Tschechischen Republik darstellen, ob es vor 10 Jahren nicht ähnlich verhängnisvoll war, Leopold Pölzl in Ústí/Aussig den Ehrenplatz eines Denkmals zu verweigern. Leider musste er damals auf den Aussiger Platz in München ausweichen. Natürlich sollte aber ein solches Museum nicht nur an neue alte Wunden rühren. Seine Möglichkeiten weisen vor allem in die Zukunft. Die bestände in einer angemessenen Würdigung seiner Person im Kreis seiner DSAP-Freunde, die 1938 für den CSR-Staat mit ihren Schicksalen einstanden, wohlgemerkt nicht als verbissene Kommunisten, die dann auch vielfach 1948 40 Jahre Bolschewismus über das Land brachten, sondern als deutsche CSR-Bürger, die ihr Vaterland liebten und dafür mit ihren Leben einstanden. Zu ihnen gehörte vor allem Leopold Pölzl.

Wer ins neue Aussiger Museum geht, sollte endlich auch erfahren können, wo das Lager Schöbritz lag, wie es aussah und vor allem, welche Funktion es hatte.

 Immerhin erfolgte über Schöbritz die Ausweisung des größten Teils der 1946 im Aussiger Kreis noch vorhandenen seit Jahrhunderten angestammten Bevölkerung. Dabei wäre natürlich darzustellen, aus welchen Vierteln der Stadt Aussig und aus welchen Dörfern des Elbetales die deutschen Bürger bereits 1945 in Fußmärschen und in offenen Waggontransporten nach Sachsen verjagt worden waren.

Einer ähnlich sachgerechten Darstellung bedarf das Lager Lerchenfeld. Es genügt nicht zu wiederholen, dass die Bestände der 118 Kisten das Stadtarchivs mehr verhüllen als aufklären. Es sollte endlich offengelegt werden, einmal – wie viele dort erschlagen und durch Krankheiten zu Tode gebracht wurden – namentlich - und zum anderen ohne jedwede Anklage einfach festgehalten, gequält und geschunden wurden. Die als Schuldige angeklagt und verurteilt wurden, sollten natürlich nicht unerwähnt bleiben. Auf diese Akten im Museum dürfen wir gespannt sein.

Den Grundsteinlegern und allen, die die Entstehung des Aussiger Museums so vorantreiben, ist zu wünschen, dass sie mindestens die letzten 20 Jahre gut genutzt haben und die Zeitzeugnisse in Ton und Bild von den letzten Tschechen und Deutschen aufgezeichnet haben, die dabei waren, als damals zwischen 1930 und 1960 so vieles anders wurde. Dabei immer bei dem zu bleiben, was so dicht wie möglich an der Wahrheit ist, wird nicht leicht sein. Es wäre besser, sich nicht allein der Hoffnung hinzugeben, „die Wahrheit siegt“. Um für Tschechen und Deutsche ein Fundamentum zu finden, ist mehr nötig. Da halten wir es besser mit Vaclav Havel, der auf der Prager Burg am 15. März 1990 zu Richard von Weizäcker sagte: „Wir müssen uns alles sagen, wie schwer es auch immer sein mag.“

Das wäre ein gutes Motto für das Aussiger Museum und noch besser, wenn alle, die sich damit beschäftigen, sich auch mühen, es zu beherzigen.

 

Gerolf Fritsche, Offenbach

7:53 pm pdt          Comments


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