Sudetenbote

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Siedlungsgebiete der Deutschen in Boehmen, Maehren und Sudeten Schlesien

Willkommen zur Internet-Webseite des Sudetenboten. Sie wurde zusätzlich zur von Willi Wanka 1964 in Kanada gegründeten und heute von Hans Mirtes in Frontenhausen herausgegebenen Druckausgabe des Sudetenboten geschaffen, um Informations- und Gedankenaustausch im Sinne der Interessen, Ziele und Aufgaben der 1945-1947 entrechteten, enteigneten und vertriebenen Sudetendeutschen Volksgruppe zu fördern.

 

Der Sudetenbote unterstützt eine Europäische Union, in der alle Menschen, Volksgruppen und Völker gleichberechtigt in Frieden, Freiheit und Wohlstand miteinander leben können, im Sinne der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Konventionen über Bürger- und Menschenrechte, einschliesslich des Rechts auf Heimat. Aus diesem Grund verurteilt er die Existenz und Anwendung von Rassengesetzen, wie die in Tschechien und in der Slowakei noch immer geltenden Beneš-Dekrete, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen führten. Der Sudetenbote fördert den Versuch einer Wiedergutmachung des an den Sudetendeutschen begangenen Unrechts.


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Friday, August 6, 2010

Unbedankt

 

Es war eine grosse Entscheidung, welche die Vertriebenen nur wenige Jahre nach dem Krieg und der Nachkriegstragödie getroffen hatten. Es war eine Entscheidung, die von menschlicher Grösse ebenso zeugte wie von historischem Weitblick, der so manchen der heutigen, sich für Staatsmänner (und –frauen) haltenden Akteure vor Neid erblassen lassen müsste.

Die am 5. August vor 60 Jahren verabschiedete Charta der Heimatvertriebenen ist jedoch zugleich auch ein Dokument des Abschieds – dem von der politischen Bühne Wenn es die Historiker einmal besser meinen mit den Vertriebenen, werden sie ihnen dafür ein Denkmal in den Geschichtsbüchern errichten. Verdient hätten sie es ja schon längst. Sie haben nicht nur auf Rache und Vergeltung für das erlittene Unrecht verszichtet, sondern schon lange, bevor es andere begriffen haben, die europäische Integration als Zukunftsperspektive des Kontinents dargestellt.

Andere Vertriebenengruppen in anderen Teilen der Welt haben sich weniger konziliant verhalten. Die nur kurz nach den Sudetendeutschen, Karpatendeutschen, Siebenbürger Sachsen, usw. Aus ihrer Heimat vertriebenen Palästinenser haben sich für einen ganz anderen Weg entschieden. In ihrer Aussichtslosigkeit und Verzweiflung setzten sie auf das Prinzip Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn. Und als auch das nichts half, gingen sie darüber noch hinaus, indem sie nicht nur die für ihr Schisksal Verantwortlichen angriffen, sondern völlig unschuldige Menschen mit Terror überzogen.

Es ist die deprimierende Lehre dieser Geschichte, dass Wohlverhalten nicht, Aggression dagegen sehr wohl belohnt wird. Während die deutsche Vertriebenenproblematik heute nur noch von den Betroffenen als Problem betrachtet wird, sich die Politik aber längst davon verabschiedet hat, steht der aus der Palästinenservertreibung resultierende Nahostkonflikt auf der weltpolitischen Agenda ganz oben. Und man hat den Eindruck, als sorgten palästinensische Extremisten weiter erfolgreich dafür, dass dieser Konflikt eine Causa Prima bleibt. Die Palästinenser werden ernstgenommen. Kein US-Präsident, kein europäischer Staats- oder Regierungschef kommt an ihnen auf der internationalen Bühne vorbei. Mittlerweile herrscht globaler, auch von Israel weitgehend akzeptierter Konsens, dass das Heimatrecht der Palästinenser mit einem eigenen Staat verwirklicht werden muss. Was wäre auch die Alternative: Noch mehr Terror, noch mehr unschuldige Opfer, noch mehr Tränen?

Die volksdeutschen Vertriebenen haben sich für den Weg des Konsenses und Ausgleichs entschieden. Sie haben nicht mit der grausigen Perspektive eines Guerillakrieges gedroht, nicht den Vertreiberstaaten ewige Feindschaft geschworen und nicht auf Konfrontation gesetzt. Und das war gut so. Man stelle sich nur vor, weniger verantwortungsbewusste Menschen hätten ihr unendliches Leid damals in Aggression verwandelt. Sie hätten natürlich niemals mit dem Verständnis rechnen können, das den Palästinensern entgegengebracht wurde und wird, aber sie hätten Europa seiner friedlichen Perspektive berauben können. Sie haben das nicht gewollt, sondern in beispielloser Grösse die Hand zur Versöhnung ausgestreckt.

Der Verzicht auf jede Aggression blieb jedoch unbedankt. Vielleicht auch deshalb, weil von Deutschen nach dem Krieg sowieso nichts anderes erwartet wurde, als die stille Duldsamkeit eines gebeugten Tätervolkes, welches nicht aufzumucken hatte. Aus der heutigen Perspektive aber wäre es angebracht, sich noch einmal vor diesen Menschen, die damals wohl auch über ihren eigenen Schatten springen hatten müssen, zu verneigen. Es wird die eine oder andere Sonntagsrede geben, in der dieser Dank abgestattet wird. Aber ein der Bedeutung der Charta angemessenes Gedenken wird es weder in Deutschland noch in Österreich geben. Den Vertriebenen wird mit diesem Undank einmal mehr bedeutet, dass man sie als Menschen betrachtet, die längst nicht mehr auf der politischen Agenda stehen.

Eigentlich tun sie das nicht mehr seit 60 Jahren, als sie der Politik mit ihrer Charta am 5. August 1950 signalisiert hatten: Keine Angst, wir machen keine Probleme!

 

Manfred Maurer, Linz

Kommentar in Sudetenpost, Folge 8, 5. August 2010

4:09 pm pdt          Comments


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