Sudetenbote

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Siedlungsgebiete der Deutschen in Boehmen, Maehren und Sudeten Schlesien

Willkommen zur Internet-Webseite des Sudetenboten. Sie wurde zusätzlich zur von Willi Wanka 1964 in Kanada gegründeten und heute von Hans Mirtes in Frontenhausen herausgegebenen Druckausgabe des Sudetenboten geschaffen, um Informations- und Gedankenaustausch im Sinne der Interessen, Ziele und Aufgaben der 1945-1947 entrechteten, enteigneten und vertriebenen Sudetendeutschen Volksgruppe zu fördern.

 

Der Sudetenbote unterstützt eine Europäische Union, in der alle Menschen, Volksgruppen und Völker gleichberechtigt in Frieden, Freiheit und Wohlstand miteinander leben können, im Sinne der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Konventionen über Bürger- und Menschenrechte, einschliesslich des Rechts auf Heimat. Aus diesem Grund verurteilt er die Existenz und Anwendung von Rassengesetzen, wie die in Tschechien und in der Slowakei noch immer geltenden Beneš-Dekrete, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen führten. Der Sudetenbote fördert den Versuch einer Wiedergutmachung des an den Sudetendeutschen begangenen Unrechts.


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Thursday, December 30, 2010

Bedingungslose Kapitulation?

Hat Bayern kapituliert?

Von Konrad Badenheuer


 

Es ist nicht ganz einfach, die als ,,historisch" angekündigte Reise von Horst Seehofer nach Prag angemessen zu bewerten. Ganz falsch liegen mit Sicherheit jene, die Seehofer gönnerhaft attestieren, Bayern sei jetzt endlich da, wo der Bund und Sachsen schon lange seien. Anders gesagt: Die CSU hätte nicht so viel Tamtam um die Vertriebenen machen sollen. Bemerkenswert bleibt, wie viele in Deutschland so denken.

Auch die einst konservative "Welt" findet keinen Halbsatz des Bedauerns dafür, dass - wie sie meint - mit dem Besuch das Anliegen der Aufhebung der Benesch-Dekrete erledigt sei. Einmal abgesehen davon, dass niemand weiß, was die Zukunft bringt, ist die unterkühlte Gleichgültigkeit, mit der diese Aussage gemacht wird, ein interessanter Gradmesser dafür, wie weit die Dominanz einer in Sachen Menschenrechte zynischen politischen Linken heute in Deutschland reicht. Der Untergang einer Volksgruppe mit einst 3,25 Millionen Menschen wird in der "Welt" ähnlich vermeldet wie ein paar wetterbedingt verspätete Züge - nur um einiges kleiner.

Die "Frankfurter Allgemeine" hat da einen ganz anderen Ton angeschlagen. Herausgeber Berthold Kohler hat das Verhalten Seehofers schroff als "Kapitulation an der Moldau" kommentiert. Auch er bewertet den Besuch offenbar als einen letzten Akt der politischen Hinnahme der Vertreibung durch die deutsche Politik und damit wohl als das Ende der Sudetendeutschen Volksgruppe, nur lässt er daran im Gegensatz zur "Welt" Kritik erkennen.

Verblüffend, dass die Betroffenen selbst die neueste Wendung in der über 1200-jährigen bayerisch-böhmischen Geschichte so viel positiver bewerten. Bernd Posselt, der Sprecher der Volksgruppe, lobte einen "Durchbruch hin zu mehr Nachbarschaftlichkeit", bei dem die Sudetendeutschen "eine zentrale Brûckenfunktion" ausübten.

Er sprach sich für einen Verständigungsprozess in drei Schritten aus: "Erste Kontaktaufnahme, Vertrauensbildung und letztlich ein Stufenplan der Partnerschaft, der über bloße Nachbarschaft hinausgeht."

Posselt lobte sogar "die Herzlichkeit", mit der Premierminister Necas und Außenminister Schwarzenberg die Delegation und auch ihn willkommen geheißen hätten.

Herzlichkeit? Necas Dienstsitz, an dem dieser mit Seehofer - nicht mit Posselt - sprach, hat die Adresse "Edvard-Benesch-Kai 4". Und der Stufenplan? Die "erste Kontaktaufnahme" zwischen den gewählten Vertretern der Sudetendeutschen und der tschechischen Regierung gab es 1990. Wie viele Sudetendeutsche leben noch, wenn in diesem Drei-Stufen-Plan auch nur die Stufe 2 erreicht ist?

Sind diese Lobesworte also reiner Zweckoptimismus? Das auch wieder nicht! Posselt kennt bestens die an bizarren Wendungen reiche Geschichte Böhmens, in der immer wieder das vermeintlich Undenkbare doch eingetreten ist. Und er ist ein aufrichtiger Christ, der an Wunder glaubt. Wer könnte etwas dagegen einwenden, wenn diese Haltung mit einer Rhetorik einhergeht, die den Sudetendeutschen politische Mandate sichern kann?

Veröffentlicht in der Preussischen Allgemeinen Zeitung vom 28.12.2010

1:24 pm pst          Comments

Unglücksspruch der Regensburger Richter zum Egerer Stadtwald

Am 3. Dezember hat das Verwaltungsgericht Regensburg abweichend von anderen möglichen Maßgaben des Völkerrechts entschieden, dass die Stadt Eger (Cheb) nach dem EU-Beitritt der Tschechischen Republik uneingeschränkt handlungsfähig sei. Damit sei die Treuhandverwaltung des Bundes über den Stadtwald beendet. Besitzer des Stadtwaldes sei die heutige Stadt Eger.

Ausdrücklich beziehen sich die Richter auf die Deutsch-Tschechische Erklärung von 1997, in der die beiden erklärenden Parteien feststellen, dass sie ihre Beziehungen mit aus der Vergangenheit herrührenden Fragen nicht zu belasten bereit sind. Offenbar mit einer Selbstverständlichkeit ohnegleichen urteilen die deutschen Richter im Sinne einer willkürlich einseitigen Auslegung. Sie haben sich die tschechische Sicht zu eigen gemacht, dass die Enteignung der deutschen Stadt Eger und damit ihrer Bewohner nach den Beneschdekreten verwaltungsrechtlich irrelevant war. In der deutsch-tschechischen Erklärung steht nichts davon, dass die deutsche Seite diese Auffassung übernehmen muss. Im Gegenteil, die deutsche darf auf der eigenen beharren und die tschechische darf hieraus keine Belastung der Beziehungen herleiten. So wie die deutsche Seite daraus keine Belastung herleitet, dass die politische Elite in der Tschechischen Republik weiter auf der Gültigkeit der Beneschdekrete beharrt und die Vertreter der Bundesrepublik bis in jüngste Zeit dazu bekräftigen, dass die Beziehungen mit Tschechien "ein Geschenk der Geschichte" sind.

Somit wäre eigentlich alles in Ordnung, wären da nicht die Regensburger Richter, die willfährig eine dazu noch völkerrechtlich höchst strittige Auffassung übernehmen, dass das in Frage stehende Beneschdekret vom 25. Oktober 1945 "der Konfiskation allen übrigen deutschen Vermögens" rechtens war. Eine derart einseitige Auslegung des Rechts und dazu der Deutsch-Tschechischen Erklärung widerspricht jeglichem Rechtsempfinden, wozu man wirklich nicht jahrelang Jurisprudenz studieren braucht. Man verliert bei solchen Richtersprüchen jeglichen Glauben an die 3. Gewalt in diesem Staate.

Eigentlich lässt sich die Eigentumsfrage des Egerer Stadtwaldes in Bayern leicht entscheiden. Die Stadt Eger wurde nach deutschem Recht 1945 völkerrechtswidrig enteignet. Wieso sollte die tschechische Stadt Eger von heute im Besitz dieses Stadtwaldes sein? Die Bundesrepublik verwaltet ihn treuhänderisch für die Nachkommen der vertriebenen deutschen Einwohner, die Bürger der damals widerrechtlich enteigneten Stadt waren. Da Deutschland 1997 erklärt hat, an die Rechtsauffassung der tschechischen Sicht nicht zu rühren, muss eine dauerhafte Lösung gefunden werden, die die Sudetendeutschen von der bundesdeutschen Obrigkeit längst hatten erwarten können; denn diese hat in Gestalt der Bayerischen Staatsregierung seit Jahrzehnten die Sudetendeutschen und damit die Egerer in ihre Obhut genommen. Da liegt die Lösung auf der Hand. Die Gewinne aus der Bewirtschaftung sollten in eine Stiftung eingebracht werden, die der Forderung von Kultur und Wissenschaft der Nachfahren der Sudetendeutschen dient. Es überrascht schon, dass dieser Weg in den letzten 13 Jahren nach der "Erklärung" nicht schon längst gegangen wurde.

Dieser Unglücksspruch der Regensburger Richter ist verhängnisvoll für die Rechte der Nachkommen der Sudetendeutschen. Darüberhinaus ist er folgenschwer für den Aspekt der Vertreibung im Völkerrecht. Natürlich werden solche Richtersprüche im internationalen Forum aufmerksam beobachtet. Sie formen Mosaiksteine des sich immer entwickelnden Völkerrechts. Was diese Regensburger Rechtssetzung an Wirkungen z.B. bei der Rechtsregulierung am Balkan entfaltet, kann sich jeder denken, der diese Zeilen gelesen hat. Trotz der Erfahrungen aus "dem Jahrhundert der Vertreibungen" schreiben offenbar auch deutsche Richter das Völkerrecht als Recht der Siegerstaaten nach der Devise fort: ,,Die Vertreiber erhalten Recht".

Gerolf Fritsche, Offenbach

11:45 am pst          Comments

Wednesday, December 15, 2010

Schoenfaerberei oder Luege?

Am 7. Dezember 2010 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung folgenden Leserbrief:

Wulffs Schönfärberei in Prag

Zu "Wulff in Prag: Beziehungen waren nie so gut (F.A.Z. vom 23. November): Bundespräsident Wulff erklärt lächelnd in Prag, dass die Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen "exzellent" seien. Das mag zutreffen für die Bundesbürger, die heute gleich jenseits der einladend offenen Grenze gewisse Etablissements aufsuchen, und für die zahlreichen Tschechen, die zur Arbeit in die Bundesrepublik pendeln.

Für viele andere ist diese Übertreibung aber ein Schlag ins Gesicht. Sie lässt vollkommen außer Acht, dass die Beziehungen der beiden Länder zu den schlechtesten gehören, die Deutschland gegenwärtig zu irgendeinem östlichen Nachbarland unterhält; denn mit diesen gibt es Verträge, die es dem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge erlauben, in diesen Ländern zu arbeiten.

Der neue Bundespräsident weiß das, hat er sich Ihremn Bericht nach doch in Prag eingesetzt, "für ein völkerrechtliches Abkommen über die Beisetzung der Kriegstoten, das mit der Tschechischen Republik bisher noch nicht zustande gekommen ist". Noch nicht zustande gekommen dreizehn Jahre nach der Deutsch-tschechischen Erklärung, vor der auch schon jahrelang über diese Sache verhandelt worden war.

Dieser vertragslose Zustand, der den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge immer wieder der Gande tschechischer Ämter ausliefert, blieb durchaus nicht folgenlos. Er führte zum Beispiel dazu, dass die exhumierten Überreste mehrerer Tausend deutscher Kriegstoten jahrelang in einer Fabrikhalle in Aussig zwischengelagert werden mussten. Als dieser würdelose Zustand ruchbar und ausserdem bekannt wurde, dass unter den Exhumierten viele getötete Zivilisten waren, mussten sie noch auf eine Odyssee durch die Tschechische Republik gehen, bevor sie im September in Eger ihre Friedhofsruhe fanden. Zwei Länder also, die sich seit Jahrzehnten nicht einmal über den Umgang mit den Toten einigen können, bestätigt der mit diesen Sachverhalten offenbar wohlvertraute Bundespräsident Wulff Beziehungen, die "exzellent" seien.

Wulff hätte sagen können: Die Beziehungen sind gut, einiges, zum Beispiel ein solches völkerrechtliches Abkommen, könnten sie noch verbessern. Das wäre realistisch und wenigstens dicht an der Wahrheit gewesen. Aber nein, der Bundespräsident schwelgt in Übertreibungen. Er reiht sich damit nehtlos in die Phalanx unrühmlicher deutscher Politiker ein, die mit schöner Regelmässigkeit nach Prag fahren und dort lächelnd erklären, dass die Beziehungen so gut wie nie sind.

Dabei begannen die Beziehungen vor zwanzig Jahren hoffnungsvoll und vielversprechend. An gleicher Stelle, nämlich auf dem Hradschin, sagte Präsidnet Václav Havel am 15. März 1990 zu Bundespräsident Richard von Weizsäcker: "Wir müssen uns alles sagen, so schlimm es auch immer sein mag."

Angesichts solcher Worte damals ist die Schönfärberei der Politiker heute, die in ihre Fußstapfen getreten sind, beklagenswert. Ihnen fehlt der Mut zur Wahrheit.

Gerolf Fritsche, Offenbach

10:15 pm pst          Comments


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