Sudetenbote

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Siedlungsgebiete der Deutschen in Boehmen, Maehren und Sudeten Schlesien

Willkommen zur Internet-Webseite des Sudetenboten. Sie wurde zusätzlich zur von Willi Wanka 1964 in Kanada gegründeten und heute von Hans Mirtes in Frontenhausen herausgegebenen Druckausgabe des Sudetenboten geschaffen, um Informations- und Gedankenaustausch im Sinne der Interessen, Ziele und Aufgaben der 1945-1947 entrechteten, enteigneten und vertriebenen Sudetendeutschen Volksgruppe zu fördern.

 

Der Sudetenbote unterstützt eine Europäische Union, in der alle Menschen, Volksgruppen und Völker gleichberechtigt in Frieden, Freiheit und Wohlstand miteinander leben können, im Sinne der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Konventionen über Bürger- und Menschenrechte, einschliesslich des Rechts auf Heimat. Aus diesem Grund verurteilt er die Existenz und Anwendung von Rassengesetzen, wie die in Tschechien und in der Slowakei noch immer geltenden Beneš-Dekrete, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen führten. Der Sudetenbote fördert den Versuch einer Wiedergutmachung des an den Sudetendeutschen begangenen Unrechts.


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Thursday, May 17, 2012

Rechtswillkür

 

"Eine echte Demokratie lebt von

der Freiheit der Meinungsäußerung,

vom Zugang zu Informationen,

vom Pluralismus." (Alfred de Zayas)

 

Anfang November 2011 bekam ich eine Epost mit dem Hinweis auf eine gegen mich gerichtete Verleumdungskampagne ("smear campaign")von einem britischen Mitdenker, Douglas Brough in Leeds. Dabei nahm er Bezug auf einen Artikel "Bund förderte Seminare von Rechtsnationalen" im Spiegel-Online vom 5. November 2011, verfasst von Spiegel Redakteurin Conny Neumann und einem Antifa-Aktivisten, der unter dem Pseudonym Robert Andreasch[1] sein Unwesen treibt. Darin werde ich als ein von den Sicherheitsbehörden als rechtsnational eingestufter amerikanischer "Historiker" (ich bin von Beruf Naturwissenschaftler) eingestuft, für dessen Verbindungen sich angeblich auch der Verfassungsschutz interessiert.

 

Im Forum zu diesem Artikel weist ein Beitrag darauf hin, dass einer der Autoren (Andreasch) ein vom Verfassungsschutz beobachteter "Linksradikaler" ist. Damit ergibt sich die Kuriosität, dass in der BRD "Linksradikale" bestimmen dürfen, wer oder was "rechtsradikal" ist.

 

Kurz nach dem Erscheinen des Spiegel Artikels bekam ich einen Telefonanruf von meinem 'Freund' Steffen Hörtler, Vorsitzender der CSU-Ortsgruppe Bad Kissingen und Geschäftsführer des sudetendeutschen  Begegnungs- und Bildungszentrums Heiligenhof in Bad Kissingen. Darin versuchte er mir klar zu machen, dass ich im Heiligenhof nicht mehr willkommen sein darf und dass auch der Internationale Willi-Wanka-Kreis, dem ich vorstehe, künftig dort nicht mehr tagen darf; das Ende einer mehr als 35 Jahre andauernden Tradition war gekommen.

 

Anhand des Spiegel-Online Artikels war diesem Anruf ein Gespräch Herrn Hörtlers mit Bürokraten der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), Teilsponsor des Heiligenhofs, vorausgegangen. Spiegel-Online berichtet weiter, dass eine Überprüfung meiner Publikationen (die fast alle naturwissenschaftlichen Inhalts sind) eine stramm rechtsgerichtete Gesinnung ergab. Das hatte zur Folge, dass dem CSU Politiker und Heiligenhof-Geschäftsführer Hörtler die Bekanntschaft mit Puesche sehr peinlich (geworden ist), und er sich "natürlich sofort in die Kusch-Ecke flüchtete und statt für Klarheit und Wahrheit zu sorgen - die offenbar heute nur noch dann beim Namen genannt werden darf, wenn es zu Lasten Deutschlands geht - sich als von nichts wissend peinlich berührt zeigte."[2]

 

In einem Artikel "SPD kritisiert Einsparungen bei Bundeszentrale für politische Bildung" vom 1. Dezember 2011 erklärt die Junge Freiheit: Seit 2006 betreibt (die Bundeszentrale) auf ihrer Internetseite ein Online-Dossier zum Thema Rechtsextremismus, zu dem auch mehrere Antifa-Journalisten  Beiträge beisteuerten und das redaktionell  von der Amadeu-Antonio-Stiftung betreut wird. Letztere wird von der früheren inoffiziellen Stasi-Mitarbeiterin Anetta Kahane geleitet. Ich finde es verblüffend, wie gross der Anteil von Linksradikalen und Antifa-Jounalisten bis hin zu ehemaligen Stasi-Mitarbeitern ist, die an der gegen mich gerichteten "smear campaign" beteiligt sind.

 

Besagter Junge Freiheit-Artikel berichtet auch, dass durch vorgesehene Streichung von 3,5 Millionen Euro im Budget der Behörde (für politische Bildung) dieser 21 Prozent weniger an Mitteln für die inhaltliche Arbeit zur Verfügung stünden. Das scheint der wirkliche Grund für die Streichung einiger für den Heiligenhof vorgesehenen Mittel zu sein. Immerhin hat anhand des Spiegel Artikels die Bundeszentrale die Seminare des IWWK mit 3500 Euro (0.028% der Streichungen) gefördert.

 

Ich habe Briefe an die Spiegel-Redakteurin Neumann und den Präsidenten der BpB, Thomas Krüger, gesandt mit der Bitte um Aufklärung. Dabei wollte ich spezifisch wissen: Erstens, was habe ich getan, um als "Rechtsnationaler" bzw. "Rechtsdradikaler" diffamiert zu werden, und zweitens, wem oder was habe ich als "Rechtsnationaler" bzw. "Rechtsradikaler" bislang geschadet? 

 

Frau Neumann ist mir bis heute eine Bestätigung des Eingangs meines Briefes schuldig geblieben, vermutlich weil sie keine Antworten auf meine Fragen weiss. Herr Krüger antwortete ganz allgemein, daß aufgrund externer Hinweise sowie eigener Prüfungen (sie) zu dem Ergebnis gelangt (sind), dass die Veranstaltungen des Internationalen Willi-Wanka-Kreises die Voraussetzungen, die an eine Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung geknüpft sind, sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf die Wahl der Referenten nicht erfüllt. Hätte er mir wenigstens die Resultate seiner und externer Prüfungen mitgeteilt, hätte ich vielleicht Antworten auf meine Fragen ableiten können. Krüger machte weiter darauf aufmerksam, dass ein rechtlicher Anspruch auf Förderung durch die BpB nicht besteht.

 

Trotzdem bin ich an den in Krügers Brief angedeuteten Voraussetzungen interessiert, die an eine Förderung durch die Bundeszentrale geknüpft werden, die möglicherweie als Meinungsmanipulation gedeutet werden könnten. Im o.g. Spiegel Artikel heisst es dazu: Ausserdem bestand die Bundeszentrale darauf, dass das Bildungswerk (Heiligenhof) umgehend einen strengen Fünf-Punkte-Plan beschliesst, um sich vom IWWK zu distanzieren und die Auswahl der Referenten transparent zu gestalten. Krüger drohte, ansonsten künftig keine Veranstaltungen am Heiligenhof mehr zu unterstützen. Das riecht erstens nach Erpressung und zweitens nach Meinungskontrolle in Verletzung des Artikels 5 des Grundgesetzes, in dem es heisst: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äussern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. ... Eine Zensur findet nicht statt. Und Artikel 19 der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10.12.1948 lautet: Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

 

Als US Staatsbürger unterstehe ich dem angelsächsischen Rechtssytem, in dem jeder unschuldig ist, so lange er nicht von einem ordentlichen Gericht schuldig gesprochen wurde. Auf dieser Basis, und so lange sowohl Frau Neumann als auch Herr Krüger und andere mir Beweise für "rechtsnationale" bzw. "rechtsradikale" Gesinnung oder Tätigkeit schuldig bleiben, bekenne ich mich "im Sinne der Anklage" als nicht schuldig. Damit bleiben die von der Bundeszentrale für politische Bildung initiierten und vom Spiegel-Online verbreiteten Gerüchte Verleumdung. Rufmord. Ehrabschneidung. Üble Nachrede.

 

In den letzten Jahren meiner deutschen Staatsbürgerschaft stand ich ideologisch der SPD sehr nahe, aufgrund meiner Achtung vor einigen ihrer Repräsentanten. Beispiele sind Otto Wels (ich erinnere an seine mutige Reichstagsrede gegen das nationalsozialistische Ermächtigungsgesetz im März 1933), Kurt Schumacher, Carlo Schmid (wenn er redete achtete man nicht nur darauf, was er sagte, sondern auch wie er es sagte) und den Vorsitzenden der sudetendeutschen Sozialdemokraten, Josef Seliger und Wenzel Jaksch.

 

Als SPD Anhänger besuchte ich 1961 eine Wahlveranstaltung der Partei im Kasseler Auestadion (daran erinnerte mich meine Frau im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Affäre; sie begleitete mich damals zur Kundgebung als meine Braut). Hauptredner war der 9 Jahre später zum Bundekanzler gekürte Willy Brandt. An Einzelheiten seiner Ansprache kann ich mich nicht mehr erinnern, aber eine Phrase ist mir in Erinnerung geblieben. Im Zusammenhang mit dem 17. Juni 1953 sagte Brandt: Sollten später meine Söhne mich einmal fragen: was hast Du, Vater, damals getan in jener für das deutsche Volk so schwierigen Zeit, dann möchte ich sagen können: Ich habe versucht, meine Pflicht zu tun; nicht mehr, aber auch nicht viel weniger. Etwas abgewandelt möchte ich meine heutige gesellschaftspolitische Tätigkeit so begründen: Sollte man mich jemals fragen: Was hast Du, Rudolf, damals getan in jener für die deutschen Vertriebenen durch Leugnung ihrer Menschenrechte so schwierigen Zeit, dann möchte ich sagen können: Ich habe versucht, meine Pflicht zu tun; nicht mehr, aber auch nicht viel weniger. Das gilt auch für die Zukunft, trotz der Verbannung vom Heiligenhof, die erstens nicht gerechtfertigt und zweitens rechtswidrig ist.

 

Soweit der Stand der Dinge im Januar 2012, wie ich ihn in der Januar Ausgabe des Sudetenboten geschildert habe. Dem folgte am 27.1. eine "Schriftliche Anfrage der Frau Landtags-Abgeordneten Simone Tolle betreffend Rechtsextreme Veranstaltungen im Sudtendeutschen Bildungszentrum Heiligenhof", die vom Staatsminister Joachim Herrman am 6.3.2012 beantwortet wurde.[3] Zusätzlich zu "rechtsradikal" und "rechtsnationalal" wird dem IWWK darin auch das Attribut "antisemitisch" verliehen.

 

Am 14.3.2012 forderte die Abgeordnete Tolle zusammen mit 5 anderen im Namen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Staatsregierung auf, den Heiligenhof künftig nur noch dann zu unterstützen, wenn sich die Verantwortlichen des Sudetendeutschen Bildungszentrums ausdrücklich von Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten distanzieren.[4]

 

Außerdem gibt es seit einigen Monaten eine Causa Grass. Gemeint ist die Tatsache, dass Günter Grass in einem Gedicht "Was gesagt werden muss" es wagte, Israel zu kritisieren. Unter der Überschrift "Es spritzt der Dreck" berichtete die Preussische Allgemeine Zeitung über die entsprechende Reaktion der Medien.

 

Niemals, nicht in meinen kühnsten Träumen, hätte ich die Annahme gewagt, mit Günter Grass einmal auf der gleichen Bühne stehen zu müssen. Denn ich bin, im Gegensatz zu Grass, kein Literat, geschweige denn Literaturnobelpreisträger; im Gegensatz zu Grass habe ich nicht aktiv über 6 Jahrzehnte daran gearbeitet, 2000 Jahre deutscher Geschichte auf 12 Jahre Nationalsozialismus zu reduzieren; im Gegensatz zu Grass war ich nicht in der Waffen-SS; ich hatte es lediglich zum Pimpf in Hitlers Jugend gebracht. Mit Grass aber habe ich gemeinsam, fast zur gleichen Zeit die "Auschwitz Keule" (Walser) zu spüren zu bekommen. Ich glaube nicht, dass auf Grass die Bezeichnung "Antisemit" zutrifft. Ich weiss genau, dass ich kein Antisemit bin; ich schwöre es.

 

Letztlich habe ich kürzlich einen Brief zu Gesicht bekommen, den der CSU-Politiker und Geschäftsführer des Heiligenhofs, Herr Hörtler, bereits im Oktober an den Vorstand des IWWK addressierte. Der letzte Paragraph lautet: "Der Heiligenhof lehnt jede Zusammenarbeit mit Gruppen oder Personen aus dem links- und rechtsextremistischen Spektrum ab." Et tu, Brute?! Offenbar kennt gesellschaftspolitische Diffamierung in der BRD keine Grenzen. Ob die Diffamierer rot, grün oder schwarz sind spielt keine Rolle. Wer politisch nicht korrekt ist muss erledigt werden, so wie es aus der braunen und anderen Diktaturen bereits der Fall war.

 

Dazu schreibt Krummfrucht2 im letzten Paragraphen seines/ihres Artikels "'Linke' in der Bundeszentrale für politische Bildung": "Wer sich also mit der historischen Klarheit befasst, gilt offenbar automatisch als 'rechtsradikal'. Das mussten in der Vergangenheit auch schon solche erfahren, die sich - wie z.B. das von dem berüchtigten NS-Richter Freisler verurteilte 'Weiße Rose'-Mitglied Hans Hirzel - um eine schonungslose wahrheitsgemäßige Aufarbeitung deutscher Geschichte bemühen."

 

Ein größeres Kompliment als in die Nachbarschaft der "Weißen Rose" gerückt zu werden kann ich mir nicht vorstellen.

 

Rudolf Pueschel, Kalifornien.



[1] www.antifa-watch.com/tobias-raphael-bezler-alias-robert-andreasch

[2] www.krummfrucht.de/index.php?post/2011/12/23/Genossen-in-der-Bundeszentrale-für poltische Bildung

[3] Kann als Drucksache 16/11884 unter www.bayernlandtag.de-Dokumente abgerufen werden.

[4] Siehe Anhang 

1:59 pm pdt          Comments

Sudetendeutsches Museum in schwerer See

Am 6. April erschien in der Sudetendeutschen Zeitung ein Artikel zum Museum in München unter dem Titel "Zügig und gut". Das war ein Motto, das sich bei näherem Hinsehen als falsch erwies, zeigt es doch, dass sich die Verwirklichung des Museums als ein Unternehmen erweist, das sich in schwerer See befindet. Das beginnt gleich mit dem Hinweis zur Größe des Museums. Es wird immer kleiner. Prof. Krauss ging bei ihrem Entwurf noch von 1300 qum aus. Jetzt im April 2012 sind es nur noch 1000 qum. Für den, der sich mit Größen von Museen dieser Art auskennt, ist das die untere Grenze dessen, was für ein Sudetendeutsches machbar ist. Schließlich bestand das Sudetenland nicht nur aus dem Egerland, sondern war eine in fast keiner anderen Landschaft zu beobachtende Vielfalt. Dazu kommen Raumansprüche, die sich allein schon aus den Anforderungen des überzeugenden Entwurfs von Prof. Krauss ergeben. Dieser sieht eine Abteilung vor, wo Zeitzeugen dargestellt werden und zu Wort kommen. Außerdem drohen in einer aktuellen Erweiterung Überfrachtungen des Konzepts. Plötzlich erscheint wichtig, dass z.B. auch die Hitlerjugend im Museum in den Blick gerückt wird. Inwiefern diese in den sechs Jahren Sudetenland für die Kultur und die Geschichte des Landes charakteristisch gewesen sein soll, wo sie doch zwischen Garmisch und Königsberg weitgehend ähnlich gewesen war, ist eher anzuzweifeln, insbesondere wenn dadurch der mangelnde Raum zu einem Problem wie die Quadratur des Kreises gemacht wird. Die Uniform des Hitlerjungen wurde übrigens schon in Tschechien angekauft. Sie war teuer. Vielleicht wird sie am Sudetendeutschen Tag in Nürnberg gezeigt. Da könnten die Besucher des ST befragt werden, ob sie die Uniform für so charakteristisch für das Sudetenland halten!

Immer dann, wenn auf die guten Beziehungen zu Museen verwiesen wird, die vor ähnlichen Aufgaben stehen wie das Sudetendeutsche, sollte man hellhörig werden. Sie lenken von der Aufgabe ab, dass die Macher unseres Münchner Museums erst einmal selbst wissen müssen, was sie wollen. Dazu gehören auch Dinge, die in den Museen von Aussig und Prag in der Weise überhaupt nicht zu finden sind, z.B. die schon erwähnte Zeitzeugenabteilung. In der müssten Zeitzeugen aus den verschiedenen Regionen des Sudetenlandes, die noch in der Heimat aufgewachsen sind bzw. die Vertreibung und das Fußfassen in der Fremde der Nachkriegszeit erlebt haben, zu Wort kommen und hoffentlich ins Bild gerückt werden. Die letzten Zeitzeugen, die noch berichten könnten, sterben gerade dahin. Dass deshalb Spuren unwiederbringlich verschwinden und damit dem Museum noch in der Entstehungsphase verloren gehen, scheint nach dem obigen Artikel bei den Museumsmachern niemand zu interessieren. Da fragt man sich natürlich, was alle Kontakte zum IOCM (International Council of Museums) und zu hochrangigen wissenschaftlichen Beiräten nützen, wenn diese Kontakte nicht dazu anregen, das Nächstliegende zu tun. Natürlich wäre äußerst wichtig, die letzten Zeugeneinvernahmen jetzt zum Abschluss zu bringen, damit für das Museum ein Fundus mit einem Standard geschaffen wird, wie er heute in der einfachsten Dokumentation selbstverständlich ist.

In Aussig führt man in Tschechien gerade vor, wie ein Museum zur Kultur der Deutschen in den Böhmischen Ländern zügig vorangetrieben und verwirklicht wird - unter weitgehender finanzieller Zuhilfenahme des europäischen Kulturfonds. Es ist erfreulich, dass die jetzigen Einwohner der Stadt beginnen, sich intensiv darüber Gedanken zu machen, wie ihre Vorfahren mit den Deutschen einstmals zusammenlebten. Vollendet ist das Museum noch nicht, das Konzept liegt jedoch


seit einigen Jahren vor. Dem ist zu entnehmen, dass das Aussiger Museum ein anachronistisches sein wird. Die Vertreibung wird dort nicht wie im richtigen Ablauf der Geschichte am Ende stehen, sondern irgendwo in der Mitte des Museumsrundgangs dargestellt, in einem der kleinsten Räume. Nicht einmal das Vertreibungsgeschehen in der Stadt selbst, das in den Jahren 1945 bis 47 auch für Tschechien markant ist, wird eine angemessene Rolle spielen. Interessierte werden auf die Archivabteilung verwiesen, die entsprechend schütter ist, weil Dokumente in der Umbruchzeit 1945 vermieden oder solche später vernichtet wurden. Wie ein Bemühen um Wahrheit und sachliche Darstellung sieht die Arbeit in Aussig an dieser Stelle nicht aus.

Gerade wegen dieser Deutlichkeit besteht Anlass zu der Hoffnung, dass entsprechende Erkenntnisse in München zu der Anregung führen, vieles anders und einiges besser zu machen. Dass das Zusammenleben der Deutschen und der Tschechen ein abruptes Ende fand, sollte in München schon sachlich dargestellt und nicht beschwiegen werden. Allein die Tatsache, dass das Museum in München entstehen muss und nicht einfach in ein frisch renoviertes deutsches Schulgebäude in Aussig einziehen kann, ist Folge davon, dass die Vertreibung stattgefunden hat. In München wird hoffentlich bald Raum genug vorhanden sein, die Kultur und Geschichte der Deutschen im Sudetenland darzustellen. Zu wünschen ist den Planern jedenfalls, dass das Museum nicht immer kleiner wird und die Zeitzeugenabteilung wegen mangelnden Materials am Ende nicht ganz aufgegeben wird.

Gerolf Fritsche, Offenbach

12:57 pm pdt          Comments


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