Sudetenbote

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Siedlungsgebiete der Deutschen in Boehmen, Maehren und Sudeten Schlesien

Willkommen zur Internet-Webseite des Sudetenboten. Sie wurde zusätzlich zur von Willi Wanka 1964 in Kanada gegründeten und heute von Hans Mirtes in Frontenhausen herausgegebenen Druckausgabe des Sudetenboten geschaffen, um Informations- und Gedankenaustausch im Sinne der Interessen, Ziele und Aufgaben der 1945-1947 entrechteten, enteigneten und vertriebenen Sudetendeutschen Volksgruppe zu fördern.

 

Der Sudetenbote unterstützt eine Europäische Union, in der alle Menschen, Volksgruppen und Völker gleichberechtigt in Frieden, Freiheit und Wohlstand miteinander leben können, im Sinne der von den Vereinten Nationen verabschiedeten Konventionen über Bürger- und Menschenrechte, einschliesslich des Rechts auf Heimat. Aus diesem Grund verurteilt er die Existenz und Anwendung von Rassengesetzen, wie die in Tschechien und in der Slowakei noch immer geltenden Beneš-Dekrete, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen führten. Der Sudetenbote fördert den Versuch einer Wiedergutmachung des an den Sudetendeutschen begangenen Unrechts.


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Saturday, October 31, 2015

Erinnerung an Karl Kern

Im Interesse der Teilnehmer der Diskussionsgruppe „Internationaler Freundeskreis Karl Kern“ und mit Erlaubnis seiner Witwe , Ursula Kern, erlaube ich mir, folgende Würdigung der Person Karl Kerns durch Harry Hochfelder anlässlich seines 80. Geburtstages zu veröffentlichen. Sie ist einer Ausgabe des Sudetenboten aus dem Jahr 1982 entnommen. Vermutlich war der 80. der letzte Geburtstag, den Karl Kern auf Erden erleben durfte.

Rudolf Pueschel

 

Am 9. Juli feiert Karl Kern seinen achtzigsten Geburtstag. Die sudetendeutsche Volksgruppe ehrt in ihm einen ihrer profiliertesten Köpfe, dessen Lebensweg mit ihrem Schicksal in diesem Jahrhundert unlösbar verknüpft ist.

Karl Kern stammt aus einer Bergarbeiterfamilie in Graupen. Bevor er acht Jahre alt war, starb sein Vater an Silikose und seine Mutter musste für die Kinder sorgen. Von der Armut, die er in seiner Jugend kennenlernte, können sich heutige Generationen keine Vorstellung mehr machen.

Der erste Weltkrieg verschlug ihn 1916 in die k.u.k. Maschinenschule der österreichischen Kriegsmarine in Pola. Dort erlebte er als Sechzehnjabriger das Kriegsende. Nach Graupen zurückgekehrt trat er nach einem kurzen Zwischenspiel als Elektriker in die Fusstapfen seines Vaters und wurde Bergarbeiter. Zwei Jahre arbeitete er im Schacht.

Seine politische Laufbahn begann mit seinem Eintritt in diesozialistische Jugendbewegung, wo er rasch einer der führenden Funktionäre wurde. Bereits 1924 bestellte man ihn zum Zentralsekretär des Verbandes, ab 1926 war er Vorsitzender, eine Funktion, die er bis 1938 innehatte. In dieser Eigenschaft war er auch Mitglied des sozialdemokratischen Parteivorstands. Ab 1929 war er Journalist, zuerst in Reichenberg und später in Prag mit einem Zwischenspiel in Troppau.

Durch seine Tätigkeit in der sozialistischen Jugendinternationale lernte er die jungen Sozialisten vieler anderer europäischer L!nder kennen, von denen später manche in führende Positionen in ihren Regierungen aufrückten.

Die Marksteine des politischen Geschehens im Sudetenland, der Kampf um das Selbstbestimmungsrecht, die Spaltung der Arbeiterbewegung und die Auseinandersetzung mit den Kommunisten, der Abwehrkampf gegen den aufsteigenden Nationalsozialismus, der Versuch der sudetendeutschen demokratischen Parteien, von den Tschechen Zugeständnisse hinsichtlich der nationalen Rechte der Sudetendeutschen zu erwirken und bei der Prager Regierung Massnahmen zur Linderung der durch die Weltwirtschaftskrise in den Grenzgebieten verursachten Not durchzusetzen, all dies fand in dem politischen Wirken Karl Kerns seinen Niederschlag.

Der Schiedsspruch von München führte zum Exil in Schweden, das ihm zur zweiten Heimat wurde. Das Schicksal der Volksgruppe bestimmte auch im Ausland sein Denken und Handeln. Er unterstützte den Kampf Wenzel Jakschs gegen die im Laufe des Kriegsgeschehens immer klarer zutage tretenden Vertreibungspläne der Tschechen. Als nach Kriegsende die Vertreibung zur schrecklichen Wirklichkeit wurde und die Not der Volksgruppe am grössten war, ging er nach Oesterreich, um dort im Rahmen einer sudetendeutsch-schwediscben Rettungsaktion Hilfe zu bringen.

Die Armut im Elternhaus und der Mangel an Gelegenheit zum Besuch höherer Schulen hat Karl Kern nicht daran gehindert, sich in harter eigener Arbeit ein Ausmass an viele Gebiete umfassender Bildung anzueignen, das in keiner Weise dem höchsten Niveau akademischer Elite nachsteht. Das gilt insbesondere für seine tiefgründige Kenntnis der deutschen Sprache und Literatur und der Weltliteratur und für seine Kenntnis fremder Sprachen, vor allem des Schwedischen. Seine besondere Liebe gilt der Lyrik und er hat sowohl eigene Gedichte veröffentlicht wie auch Übertragungen schwedischer Lyriker. Er schrieb zwei Bücher über Wenzel Jaksch ("Sucher und Künder" und "Patriot und Europäer"), ein Buch über die Geschichte der sudetendeutschen Emigration ("Menschen im Exil"), seine 1980 im Helmut Preussler Verlag erschienene Autobiographie ''Heimat und Exil - von Böhmen nach Schweden" und natürlich ungezählte Beiträge in einer grossen Anzahl von Zeitungen und Zeitschriften. Er ist Mitglied des Auslandsbeirats des Sudetendeutschen Rats. Karl Kerns Wirken ist vor allem durch seine Wahrheitsliebe und seine anständige Gesinnung gekennzeichnet. Er, der seine über alles geliebte Heimat bereits 1938 verlor, weil er in Hitlers Machtpolitik nicht die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts für die Sudetendeutschen sah, bekämpfte die verbrecherischen tschechischen Vertreibungspläne mit genau so kompromissloser Leidenschaft wie vorher den Ungeist des Nationalsozialismus. Als der steile wirtschaftliche Aufstieg der Bundesrepublik es vielen deutschen Exilpolitikern ermöglichte, eine aussichtsvolle politische Laufbahn in Westdeutschland einzuschlagen, zog er es vor, in Schweden zu bleiben, wo er sich als Ausländerkonsulent des Arbeitsamtes der südschwedischen Provinz Malmö eine gesicherte Existenz aufgebaut hatte, die es ihm gestattete, die Entwicklung in Deutschland und in der Welt von einer unabhängigen Warte zu beurteilen, ohne auf jeweilige parteipolitische Erwägungen Rücksicht nehmen zu müssen.

Es konnte nicht ausbleiben, dass die Wendung der SPD zur Ostpolitik ihn in einen scharfen Gegensatz zu der Partei brachte, in deren Reihen er von Jugend auf für soziale und nationale Gerechtigkeit gekämpft hatte. Er sah in der Politik Brandts und Wehners eine nicht verantwortbare Abkehr von vorher als unabänderlich verkündeten Zielen und Grundsätzen. Der Schmerz über diese Entwicklung gesellte sich zu seiner Enttäuschung darüber, dass alle Appelle der sudeten-deutschen Sozialdemokraten an die Bruderparteien anderer Länder, sie in ihrem Kampf gegen die Vertreibung zu unterstützen, auf taube Ohren gefallen waren.

Nicht viele sind Karl Kerns Weg gegangen. Wirkliche Grundsatztreue ist unbequem, weil sie dazu zwingt, liebgewordene Vorstellungen neu zu überprüfen und zu überdenken. Auch verträgt sie sich nicht gut mit Opportunismus, dem viele Menschen, oft ohne sich darüber Rechenschaft zu geben, zum Opfer fallen. Was Karl Kern heute von vielen seiner Parteifreunde trennt, ist die Erkenntnis, dass nationale Anliegen jetzt im deutschen Bereich das Primat über soziale Fragen haben, da die letzteren seit dem zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik weitgehend gelöst werden konnten. Die Sozialpolitik des Staates, der in Westdeutschland auf den Trümmern des Dritten Reiches erstand, ist heute in der Welt beispielgebend und es ist kein Wunder, dass viele Menschen in den sogenannten Volksdemokratien erklären, den Sozialismus hätten sie sich ungefähr so vorgestellt, wie er in der Bundesrepublik verwirklicht worden ist. Wo die Deutschen Herren ihres eigenen Schicksals sind, dort gibt es so gut wie keine Armut mehr. Es gibt aber viele Deutsche, denen die Heimat geraubt wurde und viele, denen das Selbstbestimmungsrecht vorenthalten wird und die sowohl in Unfreiheit wie in wirtschaftlicher Not leben. Wer heute im deutschen Bereich gegen Unrecht ankämpfen will, der muss daher gegen nationales Unrecht kämpfen und für das Recht auf Heimat und Selbstbestimmung eintreten. Diese Einsicht mag vielen Westdeutschen nach 1945 schwer fallen, aber Karl Kern hat gerade dies sehr klar erkannt und den Mut besessen, danachzu handeln. Da liegt geschichtlich gesehen sein grösstes Verdienst. Im Wenzel-Jaksch-Kreis fand er eine Reihe gleichgesinnter Freunde, die ihre Auffassungen in der in Kanada erscheinenden Zeitschrift' "Der Sudeten-Bote" veröffentlichen.

Die Volksgruppe ehrte Karl Kern dadurch, dass sie ihm ihre höchste Auszeichnung - den Karlspreis - verlieh. Sie ehrte in ihm einen Mann, dem es wie vielen wahrscheinlich nicht vergönnt sein wird, sein Werk zu vollenden, der jedoch allen Widerständen zum Trotz in die richtige Richtung weist und uns mahnt, den Kampf weiterzuführen für ein freies deutsches Volk in einem freien Europa. Sucher und Künder, Patriot und Europäer, so hatte Karl Kern das Wirken Wenzel Jakschs umschrieben, aber diese Beschreibung trifft genau so auf ihn selbst zu, wie auch das Wort Karr Brögers:

 "Herrlich zeigte es aber deine grösste Gefahr, Dass dein ärmster Sohn auch dein getreuester war, Denk es, o Deutschland."

Leider gibt Karl Kerns Gesundheitszustand zur Zeit Anlass zu Besorgnis. Wir wissen, dass seine Gattin Ursula ihn in vorbildlicher Weise pflegt und dass sein Lebensmut und seine Tapferkeit ungebrochen sind. Zu seinem achtzigsten Geburtstag wünschen wir ihm Glück und Besserung. Vor allem versprechen wir ihm, in seinem Sinn weiterzuarbeiten.

Harry Hochfelder

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Thursday, October 29, 2015

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Ein Exiltscheche zur Vertreibung

In einer Ausgabe des "Sudetenboten" im Jahre 1982 findet sich folgende Notiz:

In der in der Schweiz herausgegebenen tschechischen Exilzeitschrift "Ceskoslovensky zpravoda" schreibt Dr.jur. Strnad "...dass es im Bewusstsein einiger Tschechen ein brennendes Problem (gibt)".  (Gemeint ist die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei). "Statt sich von humanitären Idealen leiten zu lassen, erlagen Beneš und seine Mitarbeiter ihrer beleidigten Eitelkeit und beglichen vermeintliche und tatsächliche Rechnungen. Und wir, die Bürger, klatschten ihm Beifall, weil wir andere Interessen hatten oder uns auf leicht erworbene Besitztümer freuten. Der Abschub lässt sich nicht wieder gut machen. Es ist traurig, dass sich manche an die Brust schlagen und ganz ernsthaft sagen: Da sind wir also doch Mordskerle gewesen.

Kollektivschuld ist Unsinn, an sie gauben nicht einmal die grössten politischen Naivlinge. Es besteht jedoch gewiss eine kollektive Sittlichkeit, die alle verpflichtet. Sehen wir endlich ein, dass wir mit dem Abschub in überflüssiger, unsittlicher, nicht voraussehberer und dummer Weise auf unsere Vergangenheit gespuckt haben.

Der Abschub der Deutschen aus der Nachkriegsrepublik wird eine ewige und unermessliche moralische Belastung sein, der wir uns nicht dadurch entledigen können, dass wir sie leugnen oder uns bemühen, aus ihr einen ruhmvollen Sieg zu machen. Sie war ein schrecklicher Verlust."

Eine Stimme der Vernunft. Freilich ist zu bemerken, dass das Wort "Abschub" (tschechisch "odsun") derartig fest im tschechischen Sprachgebrauch verankert ist, dass es stets in entsprechenden Zusammenhängen für das deutsche Wort "Vertreibung steht, welches die Brutalität des Vorgehens viel eindeutiger zum Ausdruck bringt".

Soweit die Meldung aus einer Ausgabe des "Sudetenboten" im Jahre 1982. Dazu einige Bemerkungen: Die Erkenntnis, dass die Nachkriegsvertreibung der Sudetendeutschen nicht nur ein Fehler, sondern auch ein Verbrechen war, hatten einige (zumindest ein) Tscheche bereits zu Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Um so erstaunlicher ist es, dass heute, dreissig Jahre später, die Mehrheit der Tschechen die Vertreibung noch immer gut und richtig heisst. Denn im vorletzten Absatz stellt Dr.jur.Strnad richtig fest, dass dieses Verbrechen "...eine ewige und unermessliche Last der (tschechischen) Geschichte" bleiben wird.

 

5:38 pm pdt          Comments


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